Ein steinerner Kopf mit moosigem Haar, eingebettet in den Schatten eines alten Baumes – ein Bild, das mehr sagt als viele Worte. Es spricht von der Patina der Jahre, vom stillen Dialog zwischen Mensch und Natur, von der Schönheit des Werdens und Vergehens. In dieser poetischen Vorstellung liegt der Kern des Schaffens von Stefan Rotzler. Der Landschaftsarchitekt BSLA, der von seinem Atelier in Gockhausen aus die Schweiz und darüber hinaus prägt, versteht Freiräume nicht als fertige Produkte, sondern als lebendige Organismen im steten Fluss der Zeit. Seine Projekte, vom «Weg der Schweiz» bis zur «Acqua Alta» in Locarno, sind eingravierte Kapitel in der Biografie unserer Landschaften – stets im Wachstum begriffen.
Leidenschaft für eine atmosphärische Landschaft
«Wie der Garten mit dem Plan wächst der Plan mit dem Garten», zitiert Rotzler Bertolt Brecht. Dieser Satz ist mehr als ein Motto; es ist das Fundament seiner Philosophie. Für ihn ist Landschaftsarchitektur eine eigenständige, identitätsbildende und atmosphärische Kunst. Eine Kunst, die Wachstum und Veränderung nicht als Manko, sondern als wesenhafte Qualitäten begreift. Seine Mission ist es, Freiräume als Spielfelder der Kontemplation und Gemeinschaft zu gestalten – manchmal ganz funktional, dann wieder «per la bellezza», der Schönheit wegen. Dabei blickt er stets voraus: Seine Entwürfe sollen nicht nur ästhetisch bereichern, sondern auch den Herausforderungen des Klimawandels standhalten und sich behutsam in Richtung Natur bewegen.

Vom Hortus Imperfectus zum Ort des Glücks
Während ein Bauwerk bei Fertigstellung seinen Höhepunkt erreicht, beginnt für einen Garten von Stefan Rotzler erst dann die eigentliche Reise. Der «hortus imperfectus» – der unvollkommene Garten – ist bewusst angelegter Anfang. Die jungen Bäume wirken noch zierlich, die Pflanzungen lassen Lücken. Doch genau darin liegt die Magie. Rotzler entwirft mit der Geduld eines Gärtners, der in Jahrzehnten denkt. Wie Karel Čapek schreibt: «Wir Gärtner leben irgendwie in der Zukunft.» Ob der Überlandpark in Zürich, der Wasserplatz oder der Mediengarten für SRF – jedes Projekt ist ein Versprechen an die Zukunft, eine Einladung, den Wandel der Jahreszeiten und das Reifen der Vegetation als beglückende Erfahrung zu erleben. Erst mit den Jahren entfalten diese Räume ihren vollen metaphysischen Gehalt und werden zu «Andeutungen von Paradiesen auf Erden».
Der Konsulent: Strategie, Jury und die Kunst des Weitertragens
Neben seiner planerischen Tätigkeit hat sich Stefan Rotzler heute auch als gefragter Konsulent für Landschaftsarchitektur und Freiraumplanung etabliert. Seine Rolle in Beratungs- und Jurytätigkeiten, etwa für die Stadtbildkommission Dübendorf oder den Gestaltungsbeirat Attisholz, ist die des erfahrenen Vermittlers und Qualitätswächters. Als Teamplayer in städtebaulichen Verfahren lotet er Potenziale aus und verwebt Fragmente zu zukunftsfähigen Ganzen. In der Zusammenarbeit mit jungen Büros gibt er sein Wissen weiter und sorgt so dafür, dass die «souveräne Heiterkeit der Kunst», von der Thomas Mann sprach, auch in kommenden Generationen von Landschaftsgestaltern weiterlebt.


Ein Gespräch mit der Landschaft
Die Projekte von Stefan Rotzler, ob der historische «Garten des Poeten» oder die zukunftsweisende «Europaallee», sind letztlich stille, aber eindringliche Sprechakte. Sie setzen sich, wie der Literaturwissenschaftler Robert Harrison bemerkt, gegen die Sprachlosigkeit zur Wehr. Sie laden ein zum Dialog, zum Verweilen, zum Erinnern. Sie sind, um es mit den Worten von Kim de l’Horizon zu sagen, Orte, in denen etwas «überdauert». Wer die Arbeit von Stefan Rotzler entdeckt, begibt sich auf eine Reise durch die Zeit – eine Reise, die zeigt, dass der wahrhaftige Garten nie fertig ist, sondern immer im Werden begriffen, ein ewiges, wachsendes Gespräch zwischen Mensch und Natur.