Wenn die Temperaturen sinken und der erste Raureif die Gärten bedeckt, beginnt für viele Wildtiere ein harter Kampf ums Überleben. In unseren zunehmend versiegelten und aufgeräumten Landschaften finden Igel, Vögel und Insekten immer seltener einen sicheren Unterschlupf. Dabei kann Ihr Garten, ja sogar Ihr Balkon, zu einer lebenswichtigen Arche Noah werden. Mit einfachen, aber wirkungsvollen Massnahmen verwandeln Sie Ihr grünes Reich in ein tierfreundliches Refugium, das die lokale Biodiversität stärkt – ein Engagement, das gerade in der Schweiz mit ihrer reichen, aber bedrohten Artenvielfalt von unschätzbarem Wert ist.
Warum Ihr Garten im Winter zur wichtigen Zuflucht wird
Unsere Siedlungsräume werden für Wildtiere zunehmend zu unwirtlichen Orten. Die extreme Flächennutzung und der Rückgang natürlicher Strukturen wie Hecken, Altgras oder Totholzhaufen lassen die Lebensräume schwinden. Gleichzeitig reduzieren Schädlingsbekämpfungsmittel das Nahrungsangebot für Insekten und damit für viele andere Arten. Wildtiere wie Eichhörnchen, Igel und Vögel finden in Städten und Wohngebieten immer weniger natürliche Winterquartiere. Doch genau hier setzt die Chance für jeden Gartenbesitzer an: Durch gezielte Massnahmen können Sie die Artenvielfalt direkt vor Ihrer Haustür erhalten und fördern. Ihr Garten wird so zum wichtigen Trittsteinbiotop in einer ansonsten kargen Umgebung.
Das perfekte Winterquartier für Igel einrichten
Der Igel ist ein beliebter, aber bedrohter Gast. Von November bis Ende März hält er Winterschlaf und benötigt dafür absolut ungestörte und geschützte Unterschlüpfe. Ein spezielles Igelhaus, das Sie kaufen oder selbst bauen können, bietet ideale Bedingungen.
- Standort und Bau: Das Häuschen sollte einen offenen Boden haben und an einem ruhigen, vor direkter Sonne geschützten Platz im Garten stehen, etwa unter einem Busch oder einer Hecke.
- Natürliche Alternative: Sie können auch einige Holzscheite übereinanderlegen und den Haufen locker mit Laub und Ästen bedecken. Dies imitiert natürliche Verstecke perfekt.
- Wichtigste Regel: Sobald ein Igel eingezogen ist – erkennbar an verschlossenem Eingang oder Nistmaterial – darf das Quartier bis zum Frühjahr auf keinen Fall mehr bewegt oder gestört werden. Im Winterschlaf können die Tiere nicht flüchten.
Vögel richtig durch den Winter füttern
Eine Vogel-Fütterstation ist nicht nur ein schöner Anblick, sondern eine überlebenswichtige Energiequelle. Bei Frost verbrennen Vögel enorme Mengen an Kalorien, um ihre Körpertemperatur zu halten. Eine artgerechte Fütterung ist dabei entscheidend.
Das richtige Futter für jeden Schnabel
Man unterscheidet grundsätzlich zwischen zwei Vogeltypen:
- Körnerfresser wie Buchfinken oder Grünfinken bevorzugen Sonnenblumenkerne, Hanfsamen, Mohn und ungesalzene Nüsse.
- Weichfutterfresser wie Amseln, Rotkehlchen oder Drosseln lieben Rosinen, getrocknete Beeren, Haferflocken und Apfelstückchen.
Sonnenblumenkerne (möglichst ungeschält) sind ein wahrer Allrounder und werden von fast allen Arten angenommen. Achten Sie auf hochwertiges, schimmelfreies Futter.
Hygiene und Regelmässigkeit
Damit die Fütterung nicht zur Krankheitsquelle wird, ist Sauberkeit oberstes Gebot. Reinigen Sie Futterhäuschen mit Stehfläche regelmässig mit heissem Wasser. Noch besser sind moderne Futterspender, bei denen die Vögel nicht im Futter stehen. Beginnen Sie mit der Fütterung, sollten Sie diese konsequent bis etwa Ende Februar fortsetzen, da sich die Vögel darauf einstellen.
Eichhörnchen-Kobel und Futterstellen installieren
Im Gegensatz zum Igel halten Eichhörnchen nur Winterruhe. Sie sind an milden Tagen aktiv und benötigen daher sichere Schlafplätze und energiereiche Nahrung. In aufgeräumten Gärten fehlt es oft am Material für den Nestbau.
Ein Eichhörnchen-Kobel ist ein kugelförmiges Nest aus Holz mit einem seitlichen Einflugloch. Hängen Sie idealerweise zwei bis drei dieser Kobel in Ihrem Garten auf, da die Tiere mehrere Quartiere gleichzeitig bewohnen. Polstern Sie die Nester mit trockenem Stroh, Holzwolle oder Schafswolle aus. Zur Unterstützung können Sie täglich eine kleine Menge Futter bereitlegen: Haselnüsse, Walnüsse, Bucheckern oder Kürbiskerne sind perfekt. Platzieren Sie das Futter erhöht, zum Beispiel auf einem Baumstumpf, um die Eichhörnchen vor Katzen zu schützen.
Insektenhotels als ganzjährige Nützlingsunterkünfte
Wildbienen, Florfliegen und Marienkäfer sind unverzichtbare Helfer im Garten. Sie bestäuben Pflanzen und vertilgen Schädlinge. Ein Insektenhotel bietet ihnen ganzjährig Unterschlupf und Brutstätten.
- Die richtigen Materialien: Verwenden Sie Hartholzblöcke mit sauber geglätteten Bohrlöchern (verschiedene Durchmesser von 2-8 mm), hohle Pflanzenstängel (Bambus, Schilf), Lehmziegel oder gebrannte Ziegel mit Löchern.
- Der perfekte Standort: Das Hotel sollte sonnig, regen- und windgeschützt hängen oder stehen, idealerweise in Südost-Richtung. Platzieren Sie es inmitten einheimischer Pflanzen, die als Nahrungsquelle dienen.
- Ein Tipp für Familien: Ein Insektenhotel ist ein faszinierendes Lernobjekt für Kinder. Beobachten Sie gemeinsam, welche Löcher von den Gästen mit Lehm oder Blättern verschlossen werden – ein Zeichen, dass dort Brut angelegt wurde.
Praktische Tipps für die tierfreundliche Gartengestaltung
Ein naturnaher Garten hilft nicht nur im Winter, sondern das ganze Jahr über. Planen Sie daher langfristig.
Beginnen Sie mit den Wintervorbereitungen am besten schon im Frühjahr oder Sommer, wenn Sie Hecken schneiden oder Reisig haben – perfektes Material für Igelburgen oder natürliche Verstecke. Lassen Sie an einigen Ecken im Garten einfach mal «Unordnung» zu: Ein Laubhaufen unter einem Strauch, etwas altes Holz, stehengelassene Staudenstängel – all das sind wertvolle Mikrolebensräume. Verzichten Sie zudem auf Laubsauger, Mähroboter und chemische Pflanzenschutzmittel, um die kleinen Helfer nicht zu gefährden.
Jetzt aktiv werden für mehr Biodiversität
Jeder Beitrag zählt. Sie müssen nicht alle Massnahmen auf einmal umsetzen. Starten Sie mit einem Projekt, das zu Ihrem Garten und Ihrer Zeit passt – ob es ein selbstgebautes Igelhaus, ein elegantes Vogel-Futterhäuschen oder ein kreatives Insektenhotel ist.
Beobachten und dokumentieren Sie Ihre tierischen Besucher. Teilen Sie Ihre Erfahrungen und Erfolge mit Nachbarn und Freunden, um eine grüne, lebendige Nachbarschaft zu fördern. Für weitere Inspirationen und detaillierte Anleitungen zur naturnahen Gartengestaltung in der Schweiz besuchen Sie uns auf schweiz-wohnen.ch. Gestalten Sie Ihren Garten zu einem Ort des Lebens – in jeder Jahreszeit.