Die BJAG am Klaraweg in Bern verbindet seit über 30 Jahren Architektur, Bauphysik und Handwerk – mit einem klaren Fokus auf Bestand, Substanz und Atmosphäre.
Es gibt Adressen, die fallen in Bern kaum auf. Der Klaraweg ist eine dieser leisen, fast vergessenen Strassen im Schatten der Stadt, und doch liegt hier ein Büro, das seit über dreissig Jahren an der gebauten Zukunft des Landes mitwirkt. Hinter der schlichten Fassade der BJAG entstehen keine modischen Gesten, sondern präzise Antworten auf komplexe Fragen: Wie erweitert man einen Bestand, ohne ihm seine Seele zu nehmen? Wie bringt man Gastronomie und Denkmalschutz in einen Dialog? Und wie klingt Stille in einem Haus, das seit Jahrzehnten Geschichten erzählt? Ein Besuch in einem Kosmos aus Architektur, Bauphysik und handfestem Handwerk.
Bruno Jordi sitzt an einem Tisch, der mehr wie ein Kartentisch für Bauabenteuer wirkt denn wie ein Schreibtisch. Draussen rauscht die Stadt, drinnen herrscht Konzentration. «Ich bin gerne der Senior in unserem jungen, innovativen Team», sagt er mit einem Lächeln, das sowohl Gelassenheit als auch jahrzehntelange Erfahrung verrät. Dieses Selbstverständnis prägt die Haltung der BJAG: ein Büro, das auf dem Fundament einer langen Geschichte arbeitet, aber stets mit dem Blick nach vorne. Es ist ein Ort, an dem Erfahrung nicht lastet, sondern trägt – und an dem jede neue Idee auf dem Boden geprüfter physikalischer Gesetze wächst.
Die Philosophie des Hauses lässt sich in einem einzigen Satz verdichten: Verantwortung. Verantwortung für die Wünsche der Bauherrschaft, für die Geschichten der bestehenden Bauten und für die Qualität des Details. Man spürt schnell, dass es hier nicht um schnelle Entwürfe geht, sondern um sorgfältiges Abwägen. Das Büro versteht sich als Begleiter auf dem gesamten Weg eines Projekts – vom ersten Strich auf dem Papier bis zur letzten Kontrolle der Garantiearbeiten. Diese Ganzheitlichkeit ist die eigentliche Handschrift des Hauses: ein Denken in Kreisläufen, nicht in Etappen.
Ein Dienstleistungsspektrum, das Tiefe zeigt

Die Bandbreite der Kompetenzen ist beeindruckend und folgt einer klaren Logik. In der Architektur widmet sich die BJAG sowohl behutsamen Sanierungen wie der Komplettsanierung eines alten Bauernhauses am Rand von Aetingen als auch anspruchsvollen Neubauten, etwa der Halle für die Metallentsorgung der Spaeti AG in Bern. Bruno Jordi hat in Oberösch zudem selber ein Bauernhaus aus dem Jahre 1687 umgebaut und bewohnt es heute selbst; darüber wurde bereits im WohnBär berichtet. Doch damit nicht genug: Als Gesamtprojektleiter koordiniert das Büro bei Grossbauten Spezialisten und Fachplaner. Das Besondere daran ist die Fähigkeit, sich in jede Aufgabe neu hineinzudenken – ob es um Machbarkeitsstudien, Gestaltungspläne oder die Detailplanung geht. Die Leistungen können einzeln gebucht werden, aber die wahre Stärke liegt in der Verbindung der Disziplinen.
Diese Verzahnung zeigt sich besonders in der Bauphysik, einem Bereich, den die BJAG mit einer fast wissenschaftlichen Neugier belegt. Hier geht es um die Grundfesten des Bauens: Wärme und Kälte, Feuchte und Dampfdiffusion, die Akustik eines Raumes. Für ein Hotel in Bern wurde etwa die Lärmsituation in einer Suite beurteilt, für ein Mehrfamilienhaus die Schwachstellen der Fassadenisolation aufgespürt. Dazu kommt das Feld der Expertisen, in dem das Büro mit der Ruhe eines Detektivs Baumängel und Bauschäden untersucht – etwa Rissbildungen in Treppenhäusern oder undichte Duschbereiche. Für Versicherungen, Liegenschaftsverwaltungen und Private gleichermassen wird hier Ursachenforschung betrieben, die weit über den oberflächlichen Befund hinausgeht.
Gastroräume mit Seele und Bestand im Dialog

Ein besonderes Kapitel schlägt das Team im Bereich der Gastroprojekte auf. Wenn andere Architekturbüros nur die Hülle liefern, schafft die BJAG ganze Erlebniswelten. In Zusammenarbeit mit Spezialisten entstehen so neue Gastrowelten, die mehr sind als nur Orte des Verzehrs. Das Restaurant Kramer in der Berner Altstadt – in einem geschützten Baubestand – zeigt, wie sich modernes Gastgebertum und historische Substanz verbinden lassen. Über dem Theatersaal des Restaurants Bären in Schüpfen wurde gar eine Eigentümerwohnung eingebaut, ein Projekt, das die oft unterschätzte Akustik-Lärmproblematik elegant löste. Man merkt: Hier wird nicht nur gebaut, sondern inszeniert – mit einem Gespür für die Atmosphäre, die einen Raum zu einem Ort macht.
Bei all diesen Aufgaben tritt die BJAG immer wieder auch als Bauherrenvertretung auf, ein Mandat, das Vertrauen voraussetzt. Das Büro kontrolliert Planungsteams, hilft bei Abnahmen von Wohn-, Büro- und Gewerbebauten und prüft Bauabrechnungen. Es ist eine Rolle, die Bruno Jordi liegt: der unbestechliche Beobachter, der mit seinem Team Projekte Dritter in die Realität umsetzt – nicht als Konkurrent, sondern als verlängerter Arm einer Bauherrschaft, die auf Sicherheit setzt.
Eine Einladung zur leisen Entdeckung
Wer die Arbeit der BJAG betrachtet, vom Neubau der Etitex AG in Zollikofen – die Etikettenfabrik ETITEX ist ein sehr schön gestalteter Industriebau – über die komplexen Strangsanierungen in Basel bis hin zum Umbau einer Herrschaftswohnung an der Eigerstrasse, dem wird klar: Hier wird Architektur als Lebenszyklus verstanden. Die 30-jährige Erfahrung ist kein Ballast, sondern ein Instrumentarium, das in jedem Projekt neu gestimmt wird. Man verlässt dieses Büro mit dem wohligem Gefühl, dass es Menschen gibt, die den Bestand nicht als Hindernis, sondern als Chance begreifen. Die anpacken, wo andere nur debattieren, und die Bauherren mit einer Mischung aus Demut und Entschlossenheit durch alle Höhen und Tiefen eines Bauvorhabens tragen.
Der Klaraweg bleibt leise, aber die Geschichten, die hier ihren Anfang nehmen, hallen weit über Bern hinaus. Es ist die Geschichte einer Architektur, die nicht schreit, sondern überzeugt – und die beweist, dass wahre Qualität im Detail liegt, im Mut zur physikalischen Wahrheit und in der Fähigkeit, Räume zu schaffen, die man nicht nur sieht, sondern spürt. Ein Versprechen, das man gerne entdeckt.
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